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Ruhrstadion in den 60er Jahren

Der Umbau: Kein Heimvorteil im Westfalenstadion

Preisfrage des Tages: Wie lautete das erste Bundesligaspiel, das je im Dortmunder Westfalenstadion ausgetragen wurde? Die Antwort dürfte selbst eingefleischte BVB-Fans verblüffen. Es war nämlich unser VfL Bochum 1848, der während des Neubaus des Ruhrstadions im April 1976 in die Arena des Revier-Rivalen umzog und das Dortmunder Stadion ausgerechnet mit einem Spiel gegen Schalke 04 auf der Bundesligabühne einweihte. Borussia kickte zu diesem Zeitpunkt noch in der Zweiten Liga.

Über 30 Jahre ist es her, da war die Fußballwelt in Deutschland noch in bester Ordnung: Nach der gewonnenen Weltmeisterschaft schwelgte das ganze Land im Ballfieber. Brandneue Stadien mit guter Infrastruktur versprachen darüber hinaus einen neuen Boom für die Bundesliga.

1961 - Das alte Stadion an der Castroper StraßeIm Ruhrgebiet profitierten Schalke 04 und Borussia Dortmund von der WM. Mit erheblichen Zuschüssen von Land und Bund hatten die beiden Revierteams neue Fußballarenen erhalten - so wurde in Dortmund für 32,7 Mio. DM das Westfalenstadion errichtet, obwohl die dortige Borussia seit 1972 nur noch in der Regionalliga kickte.

Unser VfL ging dagegen, obwohl schon ein Jahr zuvor in die Bundesliga aufgestiegen, leer aus. Dabei war den Verantwortlichen im Verein schon lange klar geworden, dass das alte "Stadion an der Castroper Straße" mit seinen 2.700 Sitzplätzen (davon sogar 1.400 unüberdacht) längst nicht mehr den Anforderungen des Profifußballs gewachsen war. Denn während der VfL im Jahr 1974 im Durchschnitt pro Eintrittskarte gut fünf D-Mark einnahm, kassierten die Nachbarn westlich und östlich der B1 bereits mehr als Doppelte.

Diesen Wettbewerbsnachteil galt es schnell aufzuholen, um das zarte Pflänzchen Bundesliga in Bochum nicht allzu schnell wieder eingehen zu lassen. Präsident Ottokar Wüst engagierte sich auf allen Ebenen, um auch in Bochum "mit einem neuen Stadion eine neue Mannschaft" bauen zu können.

Ein weiteres teures Neubauprojekt wie in Gelsenkirchen oder Dortmund war jedoch kurz nach der Weltmeisterschaft politisch nicht durchsetzbar - und so kam man in Düsseldorf und Bochum auf die Kompromissidee, dem VfL scheibchenweise ein neues Stadion zu bauen: über vier Bauphasen und mehr als drei Jahre gestreckt verwandelte sich das alte Stadion an der Castroper Straße langsam in das moderne Ruhrstadion. Tribüne für Tribüne kam der VfL so seinem ersehnten Stadion immer näher.

In der Realität waren diese Neubauten jedoch erstmal mit großen Schwierigkeiten verbunden: Mehr als drei Spielzeiten kickte der VfL auf einer Baustelle, während des Baus der Südtribüne im Frühjahr 1976 war der Platz an der Castroper Straße sogar komplett unbespielbar - und der VfL mitten im Abstiegskampf zum Umzug in ein anderes Stadion gezwungen. Dem Verein flatterten unter anderem Angebote aus Wattenscheid und Schalke auf den Tisch, das Rennen machte letztlich das "Stadion Schloß Strünkede" in Herne. Nur elf Kilometer nördlich der Castroper Straße brachte die Arena des Rivalen Westfalia die idealen Voraussetzungen für den VfL mit.

Ende 1960er - Volles Haus in der RegionalligaDennoch hielten die meisten Experten Bochums Abstieg nach dem Verlust des Heimvorteils für besiegelt. Dabei hatten sie die Rechnung jedoch ohne die Bochumer Fans gemacht: Zigtausende pilgerten zu jedem der sechs Heimspiele per Pendelbus, Straßenbahn oder eigenem Auto gen Norden und verwandelten das Schloß Strünkede in eine blau-weiße Festung. Am Ende konnte der VfL fünf seiner sechs Spiele in Herne gewinnen und nach dem 4:2-Sieg gegen den Karlsruher SC den erneuten Klassenerhalt feiern.

Weniger erfolgreich war da das bereits angesprochene "Heimspiel" in Dortmund: Aus Platzgründen hatte der VfL die Partie gegen Schalke ins größere Westfalenstadion verlegt. Zwar rechtfertigten 45.000 Zuschauer diese Entscheidung aus finanzieller Hinsicht, sportlich ging die Partie mit 1:4 jedoch gründlich daneben.

Der VfL zog seine Lehre und ließ den Umzug in die Nachbarstadt bis heute als einmalige Fußnote in der Vereinsgeschichte stehen. Wenig später hatte sich das Problem eh erledigt - denn im Sommer 1979 hatte der VfL endlich sein eigenes "Schmuckkästchen": Mit einem großen Fest wurde am 21. Juli 1979 das nun komplett fertige Ruhrstadion offiziell eingeweiht. Für Bochum begann eine neue Ära.

Stadiongeschichte, 3.Teil

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